Die eine Kennzahl, die ich jede Woche tracke – CLV

In meinen ersten zwei Jahren habe ich Gewinn und Verlust verfolgt. Das war falsch. P/L lügt wochenlang; er kann eine schlechte Strategie belohnen und eine gute bestrafen, wenn die Stichprobe zu klein ist. Seit 2021 tracke ich stattdessen den Closing Line Value – und zum ersten Mal sagen mir meine Wochenzahlen wirklich, ob ich gut wette.
Was CLV wirklich bedeutet
Closing Line Value ist das Verhältnis zwischen dem genommenen Kurs und dem Kurs, zu dem der Markt bei Anpfiff schließt. Habe ich ein Team bei 2,15 gesetzt und Pinnacle schloss bei 2,00, schlage ich den Markt auf diesem Schein um 7,5 Prozent. Über Hunderte von Wetten ist diese Lücke das einzig ehrliche Maß dafür, ob meine Einschätzung dem Geld voraus ist. Alles andere – vor allem kurzfristiger P/L – ist Rauschen.
Wie ich CLV berechne – für jeden Schein
- Genommene Quote festhalten – sofort nach der Abgabe, direkt in meine Tabelle.
- Beim Anpfiff hole ich den Pinnacle-Kurs aus einem gespeicherten Tab. Hat sich der Markt zu meinen Gunsten bewegt, ist der CLV positiv.
- Die Formel, die ich verwende: CLV = (genommener_Kurs / Schlusskurs) minus 1. Also 2,15 auf einen Schlusskurs von 2,00 ergibt 0,075 – also plus 7,5 Prozent.
- Wöchentliche Zusammenfassung: Ich bilde den einsatzgewichteten Mittelwert des CLV über alle abgerechneten Scheine der Woche.
Wie die Kurve nach 200 Wetten aussieht
Meine Saison 2024. CLV steigt stetig. Der Bankroll-G/V schwankt, nähert sich der CLV-Kurve ab Woche 20 an.
| Woche | Rollierender CLV (%) | Bankroll G/V (%) |
|---|---|---|
| 1 | 0,4 | -0,8 |
| 4 | 0,9 | 0,2 |
| 8 | 1,1 | -1,1 |
| 12 | 1,4 | 0,6 |
| 16 | 1,2 | 1,4 |
| 20 | 1,8 | 0,9 |
| 24 | 2,0 | 2,3 |
| 28 | 1,9 | 1,8 |
| 32 | 2,2 | 2,7 |
Man beachte die Lücke. Woche 8 zeigte eine negative Bankroll-Kurve, mein CLV war aber schon positiv. Bis Woche 32 hatten sich beide Kurven angenähert. Genau darum geht es bei dieser Kennzahl: Sie zeigt mir, dass ich gut wette, lange bevor die Tabelle einen Gewinn ausweist.
Die Tabellenvorlage – in zehn Feldern
Meine Tabelle hat exakt zehn Spalten: Datum, Spiel, Markt, genommene Quote, Einsatz, scharfe Schlusskursquote, CLV in Prozent, abgerechnetes Ergebnis, G/V, Wochen-Tag. Sonst nichts. Jede Zeile ist ein Schein, kopiert aus meiner Broker-Oberfläche. Jeden Sonntag exportiere ich als CSV und berechne Wochenmittelwerte mit einem einzigen Pivot. Wer die Datei möchte, schreibt mir über die Kontaktseite – ich schicke die leere Version.
Nur den eigenen einsatzgewichteten CLV zählen, nicht den des Feeds
Die meisten Tracking-Tools berichten den ungewichteten CLV über alle Tipps eines Tippers. Meine Tabelle gewichtet nach tatsächlich riskierten Euro, denn 2 Prozent CLV auf einen 300-Euro-Schein ist weit mehr wert als die gleichen 2 Prozent auf 10 Euro. Diese eine Änderung entlarvte zwei meiner Märkte als heimlich unrentabel und rettete mein ROI um rund 1,3 Prozent pro Monat.
Niemals die Schlusskurslinie eines Soft-Buchmachers als Referenz nehmen. Soft-Bücher halten veraltete Kurse absichtlich und sperren Gewinner in Sekunden – die Schlusskurszahl ist eine Fiktion. Ich habe das 2021 versucht, und mein CLV sah aus wie plus 4 Prozent, während meine Bankroll acht Monate lang tropfte.
CLV wöchentlich lesen, nicht täglich
Täglicher CLV ist bedeutungslos; ein einziges Spiel dominiert die Zahl und man jagt Geistern. Wöchentlich ist die kleinste Einheit, der ich vertraue. Monatlich ist besser. Wenn der rollende Vier-Wochen-CLV positiv und stabil ist, weiter so wetten – auch durch eine Verlustserie –, denn die Mathematik ist bereits auf meiner Seite. Liegt er nach 300 Wetten bei null, funktioniert der Prozess nicht, unabhängig vom P/L, und es ist Zeit, die gewetteten Märkte zu hinterfragen, anstatt die Varianz zu beschuldigen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Wetten brauche ich, bevor CLV aussagekräftig wird?
Nach meiner Erfahrung löst sich das Rauschen ab etwa 300 abgerechneten Wetten auf. Darunter kann eine Glückssträhne mit hohem CLV trotzdem im Minus enden, und eine Pechsträhne mit positivem CLV wirkt wie eine Verliererstrategie. Geduld gehört zur Methode.
Welche Schlusskurslinie nutze ich – weich oder scharf?
Eine scharfe Quote wie Pinnacle zum Anpfiff. Soft-Buchmacher halten veraltete Kurse und sperren Gewinner, sodass ihre Schlusskurslinie ein verzerrtes Bild ergibt. Falls kein scharfes Buch zugänglich ist, den Mittelwert aus zwei oder drei seriösen Quotenvergleichsseiten nehmen.
Ist positiver CLV eine Garantie für Gewinn?
Nicht für sich allein. Es ist der stärkste Einzelindikator, den ich kenne, aber man braucht trotzdem diszipliniertes Einsatzmanagement und aktive Konten. Ich habe 500-Wetten-Stichproben mit positivem CLV gesehen, die trotzdem im Minus landeten. Weiter wetten – der Gewinn holt auf.